So, nun also endlich ein "etwas" ausführlicherer Bericht über meine Tour
19. Feb
Quäle mich früh morgens um 4:30 aus dem Bett und mache mich auf den Weg zum Flughafen. Nach einem Kaffee am Flughafen (von einem Typen, der noch nicht mal wusste wie er den Latte Macchiato für den Kunden vor mir machen sollte) steige ich etwas wacher ins Flugzeug ein. Der Flug ist unspektakulär und ich kann immerhin ein wenig schlafen. Transfer zum Hostel in Adelaide läuft reibungslos, aber ich kann noch nicht in mein Zimmer. Also entscheide ich mich ein wenig in Adelaide rumzulaufen (leider erst in die Falsche Richtung) und mir was zum Essen zu kaufen. Während ich dann so bei fast 40°C durch die Einkaufsstraße schlender treffe ich Nicole wieder (sie hatte mit mir im gleichen Hostel eingecheckt) und es stellt sich heraus, dass sie auch auf die Outback-Tour geht. Wir verstehen uns von Anfang an gut und beschließen den nächsten Tag zusammen was zu unternehmen.
20. Feb
Nicole und ich leihen uns für umsonst Fahrräder aus und radeln am Fluss entlang Richtung Meer, genauer gesagt Henley Beach. Leider ist das Thermometer über Nacht auf 20°C gefallen und zum Baden ist es leider zu kalt. Also bloß ein wenig Bummeln, Kaffee und Kuchen genießen und wieder auf den Rückweg gemacht. Abends sponsor ich Nicole noch beim Pool-Turnier und wir gehen nicht all zu spät ins Bett.
21. Feb
Abreise-Tag! Um 6:30 werden wir von Ben (unserem Fahrer und Guide für die nächsten Tage) abgeholt und in einen 4WD mit Anhänger verfrachtet, wo wir auf Theres und Sabrina (Schweizer) treffen. Nach und nach stoßen noch Marcus (Deutschland), Sam und Jenny (Schweiz), Karoline (Norwegen) und Tim (England) zu uns. Nach Formalitäten im Büro der Tour-Leitung machen wir uns alle noch etwas verschüchtert auf den Weg raus aus Adelaide. Da aber alle bereitwillig Englisch sprachen, lernte man sich schnell kennen und die Stimmung lockerte sich auf. Die Stopps des Tages waren der "Port Germein Jetty" (mit mehr als 1.5 km Länge nicht ganz der längste Steg der südlichen Hemisphäre) und ein Aussichtspunkt auf die "Flinders Ranges", eine Bergkette, die sich von Adelaide nach Norden hochzieht, sowie Höhlen mit Aboriginal-Malerei. Auf dem Weg zu unserem Camp hüpften uns dann auch zur Freude aller die ersten Kängurus vors Auto, die auch am Ende der Tour immer noch Begeisterungsstürme hervorriefen. Nach unserem ersten Lagerfeuer-gekochten Essen schliefen wir dann gemütlich ein in unseren Swags.
22. Feb
Den meisten Tag sind wir durch/entlang der Flinders Ranges gefahren, haben an verschiedenen Punkten halt gemacht um die Aussicht zu genießen oder seltene Yellow-footed Rock Wallabys (von Theres auch "Yellow Stone Kangarooh" getauft) zu beobachten. Gecampt haben wir abends in Iga Wata, einer Aborigine-Community, wo uns Terry (sozusagen der "Boss" dort) am Lagerfeuer mit Gitarrenbegleitung von dem Glauben und den Traditionen seines Stammes erzählt hat. Das beste war das traditionelle Brot mit leckerer Quandong-Marmelade (davon habe ich mir ein paar Tage später ein kleines Glas gekauft) und unser "Tanzen" (wenn man Känguruh-Hüpfen so nennen kann) um das Feuer.
23. Feb
Gleich am Morgen wurden wir von Terry mit seinem kleinen Bus zu den "ocre pits" gefahren, sozusagen der Farb-Pigment-Lagerstätte. Dort hat er uns dann mehr von seinem Glauben erzählt (der vor allem aus der Liebe zu Mutter Erde besteht) und hatte auch noch ein paar andere Lebenswahrheiten parat. So aufmerksam wie alle zugehört haben (weil man sich Terry irgendwie nicht entziehen konnte), ist bei dem ein oder anderen was davon hängen geblieben. Hoffentlich jedenfalls mehr als nur Ocre, mit dem Terry uns bemalt hatte. :-) So langsam gelangten wir bei unserer Tour in das "Nichts". Beeindruckend fand ich da "Farina Township", einst blühendes Städtchen an der Bahnstrecke, heute nur noch eine Wüstenruine, wo ich dann auch mal ein "Bad" genommen habe. Hinter Marree, unserem Lunch-Stop, fing dann der Oodnadatta Track an, der uns vorbei an Lake Eyre (eigentlich eher eine riesige Salzkruste) und einem kleinen Wasserloch ("Coward Springs") nach Williams Creek führte. Im Pub dieser riesigen Stadt (z.Zt. 8 Einwohner), in dem wir für unsere neuen Ronan-Fans Tim und Sam "If toromorrow never comes" aus der Jukebox auswählten, ließen wir den Tag dann bei Bier ausklingen und bewunderten die Vielzahl von Fotos, Visitenkarten, BH's und anderen Andenken, die Besucher im Laufe der Zeit an die Wand getackert haben.
24. Feb
Wir fahren weiterhin auf dem Oodnadatta-Track, vorbei an "Lake Cadibarrawirracanna", überqueren den Dingo-Zaun, der sich auf 9.600 km quer durch's Land zieht, um die Schafe im Süden vor den Dingo's im Norden zu schützen, und mache letztlich Lunch-Stop in Coober Pedy. Dort gibt es inzwischen so viele Opal-Minen, dass die Leute schon in den Höhlen wohnen! (was bei der Hitze aber durchaus angenehm kühl sein kann). Weiter geht es über die Moon Plane, das größte und auch beeindruckenste Nichts der Reise. Egal in welche Richtung man schaut, alles sieht einfach gleich aus, wenn man mal von dem hellen Streifen, der die "Straße" ist, absieht! Abends genießen wir dann das ein oder andere kühle Bier auf dem Autodach während wir dem wundervollen Sonnenuntergang zugucken.
25. Feb
Noch vor Sonnenaufgang stehen wir auf, begeben uns auf einen kleinen Hügel und frühstücken während wir diesmal der Sonne beim Aufgehen zugucken. Ebenfalls großartig! Im Outback verstellt einem einfach nichts den Weg. :-) Inzwischen haben wir uns auch an "Fly o'clock" gewöhnt (der Zeitpunkt wo die Fliegen verrückt spielen) und können unser Frühstück genießen. Nachdem wir auf der Weiterfahrt erfolgreich den platten Reifen unseres Anhängers gewechselt haben, machen wir noch einen kleinen Bade- und Lunch-Stopp an einem Wasserloch bevor wir die (für mich jedenfalls) Hauptattraktion des Tages erreichen: Das PINK Roadhouse in Oodnadatta. Während Ben verschiedene Erledigungen macht, hüpfen wir in den Pool und genießen das kalte Nass. Den Anspruch an eine Dusche erhebt ja schon längst keiner mehr. :-) Also freuen wir uns auch tierisch auf das Wasserloch, an dem wir nachts campen und fallen nach dem Genuss eines leckeren Känguru-Steaks mal wieder total müde in unsere Swags.
26. Feb
Zum Frühstück gibt es Yabbies (Süßwasser Krebse), die wir selber frisch gefangen haben, wobei wir die noch lebenden auf ein Rennen zurück ins Wasserloch schicken. Ich habe dabei aber leider immer auf den falschen Yabby gesetzt... Unsere Tour führt uns heute durch die Simpson Wüste und wir erreichen endlich die Grenzen zum Northern Territory. Nach einer Erfrischung im nächsten Wasserloch machen wir uns auf den Weg zu den längsten 12 km unseres Trips. Über Stock und Stein und einen Weg, der eigentlich keiner ist, erreichen wir tatsächlich den geografischen Mittelpunkt Australiens, das so genannte "Lambert Centre". In einer feierlichen Zeremonie ersetzten wir die zerfetzte gegen eine neue Flagge und trugen uns natürlich auch in das örtliche Gästebuch ein. Unser Camp schlagen wir schließlich in der Nähe von Kulgera auf und genießen (mal wieder) den Sonnenuntergang mit leckerem "XXXX" während Ben schon mal zu Kochen anfängt. :-)
27. Feb
Der große Tag! Mit etwas Verspätung wegen eines kaputten Stoßdämpfers geht es endlich Richtung Uluru! Nach den 7 Tagen im Outback fühlen wir uns unter den ganzen Touristen-Scharen, denen wir auf dem Weg immer häufiger begegnen, ein wenig aussätzig. Wenn man Tage lang im Staub lebt, die letzte richtige Dusche schon ne Weil her ist und man (fast) nie jemandem begegnet, dann fühlt sich Zivilisation irgendwie merkwürdig an. :-) Und dann steht er irgendwann vor uns: Uluru! Auch wenn man die ganzen Postkarten-Bilder schon kennt, fand ich ihn erstaunlich beeindruckend, so Mitten in der Landschaft. Auf unserem Rundgang um den großen roten Felsen herum, konnten wir dann entdecken, dass er gar nicht so glatt ist wie man denkt. Einige Felsformationen sehen wirklich relativ erstaunlich aus, so dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass dieser Ort für die Ureinwohner ausgesprochen heilig ist. Aus Respekt davor haben wir Uluru auch nicht bestiegen (war außerdem eh geschlossen). Bei uns würde man ja auch keine Toruisten auf Altären rumklettern lassen wollen, oder? Passend zum Sonnenuntergang finden wir uns jedenfalls mit Bier und Snacks auf unserem Dach ein. Die Massen von Champagner-Touris fotografieren dabei anscheinend lieber uns schwitzige Dreckspatzen als den Felsen, der in verschiedensten Rot-Tönen leuchtete. Und danach? Endlich eine richtige Dusche! Juchuu! ! ! !
28. Feb
Wieder einmal stehen wir früh auf, aber der Sonnenaufgang am Uluru war es auch echt wert! Nach einem ausgiebigen Frühstück erkunden wir schließlich die nächste Felsformation, Kata-Tjuta ("Many heads"). Ebenfalls beeindruckend und etwas abwechslungsreicher als Uluru. Gecampt wird abends dann mal wieder an einem Wasserloch, wo wir Ben's Pseudo-Geburtstag mit Schokoladen-Kuchen lautstark feiern. :-)
29. Feb
Der letzte Tag und die letzte Nacht im Outback stehen bevor. Alle sind merklich müde und kaputt, was uns aber nicht von einer Wanderung im Kings Canyon abhält. Und ich muss sagen, dass sich diese letzte Anstrengung durchaus gelohnt hat! Atemberaubende Aussicht und ein wundervolles kaltes Wasserloch im "Garden of Eden". Zwischendurch erzählte Ben uns dann was von kleinen "pigme koalas", die er sicherlich neben "drop bears" im großen "Tourguide Book of Bullshit" gefunden hatte... Wir machen uns bester Laune auf den Weg zu unserem letzten Camp und sehen auf dem Weg noch wilde Kamele, Pferde und Esel, alles Tiere, die hier eigentlich nicht hingehören. Dämliche Australier... :-) Ein wenig wehmütig sehen wir die Sonne ein letztes Mal im Outback untergehen und "genießen" zum Dinner eine australische Spezialität: Känguru-Schwanz! (mir persönlich war das zu spezial).
1. März
Die letzte Nacht im Swag haben alle super verbracht und wir werden von Ben zum Frühstück mit Pfannkuchen überrascht. Sehr lecker! Nachdem die Swags ein wenig gesäubert und ordentlich verpackt sind, machen wir uns zur letzten großen Fahrt Richtung Alice Springs auf. Wir machen noch ein paar Aussichts-Stopps in den McDonell Ranges (relativ grün, erinnert mich an die Toskana) und springen noch mal in verschiedene Wasserlöcher, aber man merkt deutlich, dass alle eine Dusche und ein richtiges Bett herbei sehnen. Ich verbrenne mir beim Lunch an ner Stichflamme vom Grill noch ordentlich den Daumen, aber ansonsten verläuft die Tour heute recht unspektakulär. Und dann so gegen 17 Uhr: Alice Springs! Zivilisation! Geteerte 2-spurige Straßen! Ampeln! Saubere Menschen! :-) Wir treffen uns geduscht und teilweise geschminkt zum Dinner wieder, wobei man den ein oder anderen kaum wiedererkennt! Danach ziehen wir ins "Bojangles" und feiern uns quasi die Seele aus dem Leib. Ich sage nur so viel: Die Nacht war SEHR lang!
2. März
Leider ist der Trip nun endgültig vorbei und ich mache mich mit Nicole nach nur 3 Stunden Schlaf auf zurück nach Brisbane. Da Nicole bei mir übernachtet, können wir schon mal Tausende von Bildern angucken und lachen uns fast scheckig... :-)
FAZIT: Ich hätte es bereut den Trip nicht gemacht zu haben! Ich hoffe, ich sehe alle irgendwann mal wieder. Sie werden mir jedenfalls fehlen...
Man könnte auch sagen: "Alrighty guys, what we might do is... jump on out, grab some piccies, do whatever you have to do and that's about it!" oder noch kürzer "BEAUTY!"
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